Das kleine Glück

Es ist schon eine Weile her, dass ich eine Sendung angesehen habe (ich erinnere mich leider nicht mehr, welche es war), in der ein alter Mann sagte, er wünschte, er hätte in seinem Leben mehr Augenblicke bewusster wahrgenommen und genossen. Diese Aussage ist mir nachhaltig in Erinnerung geblieben.

Das große Glück, die großen Momente im Leben, gibt es nicht so häufig und sie lassen sich auch nicht erzwingen. Und oft werden werden wir uns ihrer erst nachträglich überhaupt bewusst.

Das kleine Glück aber ist ständig in greifbarer Nähe und begegnet uns jeden Tag. Es hat viele Gesichter: Ein Kompliment. Ein gutes Essen. Eine alte Freundin, die sich überraschend meldet. Eine Bootsfahrt. Ein schönes Gespräch. Produktive und erfüllende Arbeitsstunden. Eine gute Idee. Ein schönes Buch. Eine liebevolle Umarmung. Selbstgebastelte Kindergeschenke. Unverplante Zeit. Ausgehen. Tanzen. Das Leben feiern.

Ich erlebe gerade mit meiner sechsjährigen Tochter besonders viele kleine Momente des Glücks. Marie ist seit drei Monaten stolze Erstklässlerin und es ist so zauberhaft, die Wandlung von einem Kita-Kind, das den ganzen Tag nichts als Spielen sollte, zu einem geforderten Schulkind zu erleben. Zu sehen, wie in ihr eine ganz neue Würde erwächst. Wie sie stolz mit ihrem Zwergenheft (das heißt wirklich so) unterm Arm durch unsere Wohnung spaziert und mir mitteilt, dass sie noch „am A arbeiten muss“.

Ich glaube, dass es die vielen kleinen Momente sind, die unser Leben schön machen. Oder, wie es der österreichische Schriftsteller Franz Grillparzer formulierte: „Monde und Jahre vergehen, aber ein schöner Moment leuchtet das ganze Leben hindurch.“

2 comments for “Das kleine Glück

  1. Emma
    12. Februar 2016 at 13:32

    Liebe Marion Lili,

    das ist wieder so ein schöner, tiefgehender Artikel von Dir. Ich sehe es ebenso und habe die Erfahrung gemacht, dass das „Glück im Augenblick“ sehr wachsen kann, wenn man es immer wieder mal wahrnimmt und in diesem Sinne entdeckt, wieviel Wunderbares „im Kleinen“ uns bereits umgibt.
    Blickt man dann hin und wieder z.B. auf den Tag zurück, kann eine Ansammlung vieler Momente Revue passieren, die einen mit Dankbarkeit erfüllen :-)

    Viele Grüße,
    Emma

    • marionliliwagner
      15. Februar 2016 at 8:30

      Danke, liebe Emma :-) Ja, ich nehme es auch so wahr, dass man, wenn man gegenwärtig ist, in so vielem das Schöne findet.

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