Ein eBook schreiben und veröffentlichen – ein Hintergrundbericht

Das Thema auswählen

Als ich Anfang des Jahres merkte, dass ich nun mein erstes eBook schreiben möchte, war das Thema Hochsensibel und selbständig sofort klar. Selbständig arbeite ich schon lange und Selbständigkeit in Verbindung mit Hochsensibilität hat mich auch schon lange beschäftigt. Ich hatte das Gefühl, dass sich über die Jahre so viele Gedanken, Beobachtungen und Reflexionen zu dem Thema angesammelt haben, dass ich sie unbedingt mit anderen teilen wollte.

Ich finde es wichtig, ein Thema auszuwählen, zu dem man eine starke Resonanz hat. Das ist natürlich meist dann der Fall, wenn es einen selbst betrifft und man damit Erfahrung gesammelt hat. Das ist deswegen so wichtig, weil sich der Schreibprozess mindestens über mehrere Monate erstreckt und wenn man ein Thema wählt, das im Grunde austauschbar ist, dann ist es kaum möglich, die Motivation aufrechtzuerhalten.

Das Thema ist dann natürlich auch sehr persönlich und es mag zunächst vielleicht einfacher erscheinen, über etwas zu schreiben, das nur so halb-persönlich ist, aber dann ist das Ja zu diesem Thema und zu dem eBook auch nur ein halb-Ja. Und das Ja der Leser zu dem eBook kann auch nur ein halb-Ja sein.

Der Schreibprozess

Ich kam anfangs nicht leicht in den Schreibfluss, obwohl ich zu dem Thema so viel zu sagen hatte. Woran lag das? Nach einer Weile kam ich drauf: Ich hatte die übliche Sachbuch-Struktur im Kopf, mit vielen Kapiteln, Unterkapiteln und Unterunterkapiteln. Das war für mich aber nicht stimmig. Für mich waren alle Kapitel gleichwertig, wie Teile eines Puzzles, die sich zu einem Ganzen zusammenfügten.

Als ich das erkannte, war der Schreibfluss da. Ich hatte die zwei wichtigsten Dinge gefunden: Mein Thema und meinen Stil. Danach habe ich über Monate geschrieben.

Ich bin keine besonders disziplinierte Autorin, ich könnte mir nie vornehmen, jeden Tag soundsoviel zu schreiben. Das würde einfach nicht hinhauen. Dazu sind meine Tage einfach zu unterschiedlich und ich habe ja auch noch meine siebenjährige Tochter Marie, die mich mal mehr, mal weniger in Beschlag nimmt :-)

Aber es war überhaupt nicht schwer dranzubleiben, weil ich eben ein Thema gewählt hatte, mit dem ich 100-prozentig in Resonanz war und es einfach Freude machte, dazu zu schreiben.

Vor allem anfangs hatte ich so viele Ideen, deswegen habe ich mir ein kleines Notizbuch gekauft, das ich immer dabeihatte. Diese Ideen tauchen ja nicht immer in ruhigen untätigen Momenten auf, sondern auch dann, wenn eigentlich gerade überhaupt keine Kapazitäten da sind, um sich gedanklich noch einem weiteren Thema zuzuwenden. Deswegen finde ich es wichtig, sich das immer kurz und schnell notieren zu können, dann hat man es aus dem Kopf und zugleich die Gewissheit, dass man die Idee nicht wieder verlieren kann.

In Form bringen

Ich habe viel in Cafés geschrieben, auch in der Bibliothek oder im Zug. Ich schreibe am liebsten mit Stift auf Papier, ich denke unter anderem, weil es sich formloser anfühlt, als etwas gleich am Notebook zu schreiben. So hatte ich nach einer Weile ganz viele vollgeschriebene DINA4-Blätter auf einem Stapel auf meinem Schreibtisch angesammelt.

Ich hatte bestimmt schon 70 Prozent des Inhaltes fertig, als ich anfing, die Kapitel nach und nach in mein Notebook zu tippen. Diese Arbeit hat richtig viel Freude gemacht, auch weil mir da bewusst wurde, wie viel ich schon geschrieben hatte. Beim Eintippen habe ich den Inhalt dann auch nochmal überarbeitet und korrigiert. Wenn ein Kapitel also in meinem Notebook abgespeichert war, war es im Grunde auch schon fertig.

Dieses Gefühl, dass etwas, das noch drei Monate davor nur eine Idee war, sich nun immer stärker manifestierte und in unzähligen kleinen Schritten konkret wurde, war einfach nur schön.

Cover

Anfangs hatte ich für das Cover die Farbe blau im Kopf. Ich weiß gar nicht mehr genau wieso, ich vermute, weil es für mich eine Businessfarbe ist, die eine gewisse Klarheit aber dennoch auch Weite hat. Mein Bruder ist Künstler und Mediengestalter hat mir einige blaue Coverentwürfe gemacht und wir hatten aber beide das Gefühl, dass keines davon sich stimmig anfühlt.

Ich habe dann selbst in Photoshop mit Farben rumprobiert und dabei gemerkt, dass das Cover eine starke lebendige Farbe braucht. So entschieden wir uns für den jetzigen Farbton.

Weil die Farbe schon sehr stark ist, sollte nur eine dezente Grafik aufs Cover. Und mein Wunsch war auch, etwas eher Abstraktes auszuwählen. Als mir mein Bruder dann diesen Kreis schickte, war ich begeistert. Er drückt für mich Verbundenheit, aber auch Ausdehnung aus. Perfekt.

Ich denke, dass man sich bei der Covergestaltung mal ansehen sollte, wie andere Bücher und eBooks aus dieser Themenrichtung gestaltet sind, sich davon aber nicht allzu sehr beeinflussen lassen sollte. Die Mehrzahl der Hochsensiblen-Cover, die ich gefunden hatte, waren mir zu weich, zu sanft. Deswegen bin ich davon eher abgewichen. Also, schau dir an, was andere machen und dann mach es genauso, wie du es willst :-)

Titel

Manche Titel finden sich von selbst, sie liegen einfach auf der Hand, so war es bei meinem eBook. Der Titel „Hochsensibel und selbständig“ ist das Thema und der rote Faden. Der Untertitel „Deine hochsensible Stärke erfolgreich leben“ war für mich auch sofort klar. Der Titel benennt das Thema und der Untertitel sagt dem Leser, was ihm dieses eBook bringen wird.

Nun weiß ich, auch aus meiner Zeit als Verlegerin, dass manche Titel sich nicht so leicht finden lassen. Mein Tipp hierzu ist, sich eine Liste mit allen Titelideen zu machen, egal wie kurz, lang oder absurd manch einer klingen mag. Und dann überlegen, wie groß die Schnittstelle zwischen Inhalt und Titel jeweils ist. Der schönste Titel bringt nichts, wenn er am Thema des Buches vorbeigeht.

Wenn man für eine ganz bestimmte Zielgruppe schreibt, könnte man auch in Facebookgruppen dieser Zielgruppe die Titelvorschläge zur Auswahl stellen und die Mitglieder um Abstimmung bitten.

Ich bin aber vor allem der Meinung, dass man selbst erspüren sollte, welcher Titel einem schlicht am besten gefällt. Es ist ja dein eBook, dein Inhalt und deine Botschaft, deswegen sollte es auch dein Titel sein. Er sollte nur den Leser nicht ganz außer Acht lassen :-)

Preis

Ich wollte einen Preis festlegen, der für beide Seiten fair ist, für den Kunden und für mich auch. Und der Preis von 8,99 Euro fühlte sich für mich absolut stimmig an.

Ich würde jedem davon abraten, sich in die Billigpreiskategorien zu begeben. Es ist sehr viel Arbeit, ein eBook zu schreiben und es sollte dem Leser auch etwas wert sein. Außerdem wirkt ein Niedrigpreis wenig selbstbewusst und würde mich als Leser eher vom Kauf abhalten.

Konvertierung und Verkauf

Ab diesem Punkt, wenn man den Inhalt, das Cover und den Titel hat, wenn das eBook sozusagen fertig ist, kann man, wenn man will, alles Weitere komplett abgeben.

Es gibt Plattformen, die alles anbieten: Die Konvertierung in alle gängigen Dateien (meines Wissens muss man das extra bezahlen) und die das eBook dann in die größten und bekanntesten Shops einstellen und dafür prozentual mitverdienen. Der Anteil, der dem Autor bleibt, ist immer noch hoch (zwischen 50 und 70 Prozent).

Aber weil ich es liebe, neue Dinge zu lernen, wollte ich die Konvertierung und auch den Verkauf selbst einmal machen, einfach um es zu können.
Es gibt kostenlose Programme, mit denen man Word-Dokumente konvertieren kann, ich hatte mich für Calibre entschieden. Es war im Großen und Ganzen auch nicht so schwierig, es gibt viele Online-Tutorials und man kann eigentlich jede Frage googeln und findet Antworten.

Es ist allerdings so, dass 95 Prozent einwandfrei und schnell funktionieren und 5 Prozent wahre Zeit- und Nervendiebe sind. So gab es bei der Konvertierung immer wieder vermeintliche Kleinigkeiten, die nicht so richtig funktionierten und an denen ich viele Stunden herumprobieren musste, bis sie endlich klappten.

Ähnlich war es bei dem Onlineshop. Man kann bei WordPress den kostenlosen Onlineshop WooCommerce als Plugin installieren (das Plugin WooCommerce Germanized muss zusätzlich installiert werden, dann ist der Shop rechtssicher und in deutscher Sprache). Auch bei der Einrichtung des Shops klappte FAST alles reibungslos, und dieses „fast“ hat wieder viel Zeit und Nerven gekostet.

Aber irgendwann funktionierte ALLES. Mein eBook war in PDF-, EPUB- und MOBI-Dateien umgewandelt, ich konnte es in den Online-Shop einstellen und der Verkaufsprozess klappte reibungslos. Es konnte losgehen :-)

Halbzeit

Es war ein weiter Weg bis hierher. So viel Arbeit, so viele Überlegungen, so viele Etappen. Freude, gelegentliche Frustration und wieder Freude. Und doch ist es erst der halbe Weg. Es ist der Teil des Weges, der im Unsichtbaren stattfindet. Der zweite Teil des Weges ist nun, in die Sichtbarkeit zu gehen. Denn das eBook soll ja nicht nur geschrieben, sondern auch gekauft und gelesen werden. Und die Verkäufe der ersten Wochen und die ersten Feedbacks von Lesern waren sehr ermutigend und machen mich stolz :-)

In diesem Prozess stehe ich aber erst am Anfang und werde mich Schritt für Schritt vorantasten. Ausprobieren, was funktioniert und was sich gut anfühlt. Ich freue mich und bin gespannt!

Wenn du selbst überlegst, ein Buch oder eBook zu schreiben, dann kann ich dir nur raten: Tu es! Fang einfach an. Es ist eine Reise mit Aufs und Abs und man lernt so viel dabei und am Ende hat man ein fertiges Produkt. Das ist einfach superschön!

9 comments for “Ein eBook schreiben und veröffentlichen – ein Hintergrundbericht

  1. Nina
    23. Juni 2016 at 12:19

    Vielen, herzlichen Dank für diesen tollen Artikel und Mut machen, liebe Marion!

    • Marion Lili Wagner
      23. Juni 2016 at 20:11

      Sehr gerne :-)

  2. 27. Juni 2016 at 10:21

    Liebe Marion Lili,

    vielen lieben Dank für deinen Artikel – mir schwirrt auch schon länger die Idee in meinem Kopf herum ein (E-)Book zu schreiben. Deine Tipps gefallen mir sehr gut und ich werden den Artikel gleich mal bookmarken. :) Viel Erfolg für dein E-Book!! Wenn ich irgendwann mal wieder die Zeit finde, kaufe ich es mir hoffentlich.

    Was mich noch interessieren würde: kommt für dich auch ein Veröffentlichen als richtiges Buch in Frage? Ich gehe zwar fast noch als Digital Native (eigentlich nicht 😉 ) durch, aber ich habe mich immer noch nicht zu einem E-Book-Reader durchringen können. Ich finde es entspannend, auch mal kein technisches Gerät in der Hand zu haben. Jedoch ist ein richtiges Buch wahrscheinlich viel aufwendiger, was?

    • Marion Lili Wagner
      27. Juni 2016 at 12:08

      Liebe Jule,

      ich habe selbst auch keinen eReader, ich lese eBooks an meinem Notebook, entweder als PDF oder in dem Programm Calibre (da kann man meines Wissens alle Dateien lesen).

      Nachdem die Frage nach dem „richtigen“ Buch :-) immer wieder kam, ziehe ich es immer mehr in Betracht. Ich habe ich mich mal umgesehen, was es da für kostengünstige Möglichkeiten gibt und bin auf Createspace von Amazon gestoßen, da kann man sein eBook als Taschenbuch drucken lassen, komplett ohne Vorkosten und Lagerkosten.

      Deswegen werde ich es wahrscheinlich in Kürze auch als Taschenbuch anbieten, ich muss mich in Createspace aber noch einfinden, weil alles auf englisch ist. Wenn es als Taschenbuch erhältlich ist, werde ich das natürlich posten.

      Ich wünsche dir viel Erfolg beim Schreiben deines eBooks!

      Liebe Grüße!

      • 27. Juni 2016 at 13:06

        Super und viel Erfolg! :)

        Übrigens: Man bekommt keine automatische E-Mail, dass du auf meinen Kommentar geantwortet hast. Das finde ich etwas schade, weil man ja so viel im Internet unterwegs ist und nicht noch regelmäßig nach Antworten schauen kann.

        Liebe Grüße,
        Jule

        • marionliliwagner
          27. Juni 2016 at 19:19

          Danke für den Hinweis :-) Dafür muss ich offenbar ein bestimmtes Plugin installieren, das werde ich dann bald mal in Angriff nehmen.

  3. 27. Juni 2016 at 11:07

    Liebe Marion,
    Sehr hilfreicher Artikel und toll geschrieben. Ich bin auch gerade dabei ein passendes Thema für mein eBook zu finden. Ich freue mich dein eBook die Tage zu lesen.
    Alles Gute und viel Erfolg.
    Lg Madeleine

    • Marion Lili Wagner
      27. Juni 2016 at 12:00

      Vielen Dank, liebe Madeleine :-)
      Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen und ganz viel Erfolg in deinem Schreibprozess.
      Liebe Grüße!

  4. 29. Juni 2016 at 8:58

    Liebe Marion,

    Danke für Deine Beschreibung. Das klingt rundum stimmig und ich finde es klasse, dass Du so viel selber gemacht hast und Dich von den 5% Nervereien nicht hast unterkriegen lassen.

    Wenn Du interesse hast, dann kann ich das Ebook gerne in mein Portal kostenlos mit aufnehmen, kontaktiere mich einfach formlos per mail. Ich freue mich immer auf spannende und klar formulierte Themen.

    Viele Grüße
    Eva

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