Hochsensibilität – ein Geschenk?

Als ich vor einigen Jahren erkannte, dass ich hochsensibel bin, fühlte ich mich wie ein Zauberwürfel, bei dem alle Farben plötzlich auf der richtigen Seite sind. Alles ergab plötzlich Sinn.

Schätzungsweise 15 bis 20 Prozent der Menschen gelten als hochsensibel. Das heißt, sie nehmen Reize viel stärker, ungefilterter und differenzierter wahr, und das betrifft alle Lebensbereiche.

Fühlen, was der andere fühlt

Als ich ein Kind war, acht oder neun, verbrachte ich wie oft die Ferien bei meinen Großeltern auf dem Dorf. Eines Tages bekam meine Oma Besuch von einem Bekannten, der kurz davor Witwer geworden war. Wir saßen zusammen im Garten, der Mann erzählte von seiner verstorbenen Frau und seiner Trauer. Ich saß still dabei, keiner nahm Notiz von mir – bis ich zu weinen begann. Ich fühlte, was der Mann fühlte, und es tat mir so leid für ihn. (Danach hatte ich einen festen Platz in seinem Herzen und er hat sich bis zu seinem Tod immer nach mir erkundigt.)

Diese Abgrenzung, also das eigene Ich vom Ich des anderen trennen zu können, ist eine stetige Herausforderung für viele Hochsensible. Ich bin zwar überzeugt davon, dass auf einer tieferen Ebene alles mit allem verbunden ist und jeder mit jedem, aber dennoch sind wir als Einzelwesen geboren, jeder mit seinem eigenen Lebensweg.

Arbeit

Sein Privatleben kann jeder gestalten wie er will, im Berufsleben ist das nicht so einfach. Chefs, Kollegen, Kunden – man wird immer wieder auch mit Menschen konfrontiert, mit denen man sich möglicherweise unwohl fühlt. Das ist für die meisten nicht angenehm, für Hochsensible ist der Leidensdruck aber schnell groß. Auch Hierarchien, starre Strukturen, aufgesetztes Verhalten bringen sie viel stärker an ihre Grenzen.

Dieser starke Leidensdruck ist aber auch ein Geschenk, weil er verhindert, dass man sich allzu weit von sich selbst entfernt. Klar, kurzfristig wäre es angenehmer, sich stärker anpassen zu können, aber langfristig wäre der Preis dafür hoch.

Statt ihre Energie dafür zu verwenden, ihre Schwächen auszugleichen, sollten Hochsensible lieber auf ihre Stärken setzen: Einfühlungsvermögen, ganzheitliches Erfassen einer Situation oder eines Auftrages, Kreativität, ausgeprägte Intuition, neue Blickwinkel, Gewissenhaftigkeit …

Ambivalenzen

Hochsensibilität ist nicht Introvertiertheit. Viele Hochsensible sind extrovertiert und sehr kommunikativ, sie brauchen nur mehr Rückzüge, um die Fülle ihrer Wahrnehmungen zu verarbeiten.

Ich bin sehr neugierig und habe einen starken Reizhunger. Unter fünf offenen Tabs geht nichts und wenn ein Thema mich fasziniert, beiße ich mich so darin fest, dass ich sogar nachts davon träume.
Durch die Hochsensibilität habe ich gleichzeitig das Bedürfnis, alles in Ruhe zu reflektieren. Ich gehe viel in der Natur spazieren oder setze mich gerne alleine in ein Café und lasse alles nachklingen.

Ich fühle mich trotz dieser zwei Gegenpole ständig in meiner Mitte, nicht weil ich in meiner Mitte bleibe, sondern weil der Wechsel zwischen Reizen und Rückzug wie eine Pendelbewegung ist, die über der Mitte schwingt.

Anders sein

Viele Hochsensible fühlen sich „anders“. Sie spüren, dass sie sich in ihrer Wahrnehmung der Dinge und letztlich auch in ihrem Verhalten von anderen unterscheiden.

Als Jugendliche und junge Erwachsene hätte ich viel dafür gegeben, „normal“ zu sein oder das, was ich dafür hielt. Manchmal habe ich Normalität vorgetäuscht, um nicht immer so anders zu sein, aber das hielt ich nie lange durch, denn ich zog dadurch nur Menschen in mein Leben, bei denen ich weiterhin nicht echt sein konnte.

Mittlerweile genieße ich es sehr, ich zu sein. Ich spüre meine Grenzen schnell und kann sie gut schützen, mein Innenleben fühlt sich lebendig an, mir ist nie langweilig. Ich vertraue mir selbst und meinem Gespür für andere Menschen, auch wenn sich das nicht immer rational erklären lässt.

Ich halte Hochsensibilität für ein Geschenk. Ein Geschenk, mit dem man erst leben lernen muss, zugegebenermaßen. Aber wenn das gelingt, kann man sich eines lebendigen Daseins sicher sein.

43 comments for “Hochsensibilität – ein Geschenk?

  1. Reinhard Huchthausen
    19. Januar 2016 at 11:18

    Dieser Text ist für mich eine Offenbarung. Mir geht es genauso, ich empfinde sehr ähnlich und habe auch entsprechende Erinnerungen aus meiner Kindheit. Allerdings gehöre ich nicht zu den extrovertierten Menschen, überhaupt nicht – warum auch immer. Vielleicht weil ich im Laufe meines Lebens schlechte Erfahrungen mit manchen Menschen machen musste.
    Sich „ständig in seiner Mitte zu fühlen“, das klingt so schön, aber davon kann ich nur träumen.
    Der letzte Absatz dieses wundervollen Textes klingt sehr verheißungsvoll. Leider habe ich da noch viel zu lernen…..

    • Marion Lili Wagner
      20. Januar 2016 at 7:00

      Lieber Reinhard Huchthausen,

      danke für Ihren netten Kommentar :-)
      Es gibt Statistiken, die besagen, dass zwei Drittel aller Hochsensiblen introvertiert sind, und von dem Drittel der Extrovertrierten interessanterweise viele im Medienbereich arbeiten. Es ist also nicht ungewöhnlich hochsensibel und eher introvertiert zu sein.
      Was vielleicht in dem Artikel zu kurz kommt, ist, dass es nicht DIE Hochsensibilität gibt. Es gibt sehr viele Gemeinsamkeiten unter den Hochsensiblen, aber die individuelle Ausprägung kann sich stark unterscheiden.
      Meine persönliche Erfahrung ist die, dass sich die innere Mitte dann einstellt, wenn man sie nicht mehr sucht. Denn solange man sie sucht, glaubt man immer zu wissen, wo sie ist und will sich dorthin bewegen. Wenn ich aber sage, es ist wie es ist, so schräg oder anders es auch sein mag, dann kommt das Gefühl der inneren Mitte wie von selbst dorthin, wo ich tatsächlich bin.
      Ich wünsche Ihnen alles Gute auf Ihrem individuellen Weg! :-)

      • 23. Januar 2016 at 13:08

        Hallo Frau Lilli Wagner,
        Ich glaube auch, dass der individuelle Weg der richtige ist, hat man lhn einmal erkannt.
        Ich ertappe mich immer wieder bei endlosen Grübelein über Tagesereignisse.Besonders Konfliktsituationen grübeln sich in den Vordergrund.Das Loslassen ist dann nicht immet einfach. Besondets dann nicht, wenn alles zunächst einmal ungefiltert in jede Körperzelle gelangt.Dadurch ist es schwierig, dass wichtige vom Unwichtigen zu untetscheiden.Eine bewegte Gefühlswelt, die sich parallel dazu gesellt,ist da auch eher hindetlich und macht das Selektieten nicht einfach.
        Am besten gelingt mir das Runterfahren und Ordnen in der Natur. Davon mache ich gebrauch wenn es irgend wie möglich ist und nutze die Chance. Auch der Glaube an eine höhete Macht, der ich alles anvertrauen kann, erlebe ich als Stütze.Als einen besten Freund, dem ich alles sagen kann.Dieser höheren Machtbegegne ich auch in der Natur.An Bäumen kann ich vieles ableiten, indem ich sie umarme.Auf diese Idee kam ich selber und habe mitletweile einen individuellen Baum…Das Panflötenspielen, auch ein Stück Natur, ist mir ständiger, meditativer Begleiter.
        Das Berufsleben ist mit Abstand wohl die größte Herausforderung in Punkto verarbeiten in Abhängigkeit des Leistungsdrucks.
        Für mich die größte Schule.

        Abschließend möchte ich sagen, das ich mich in vielen Beiträgen hier ein Stückweit wieder finde.
        „Ich bin nicht allein“ 😀

        • Marion B.
          5. Februar 2016 at 0:06

          Hallo Gregor,

          Deinen Beitrag habe ich mit Freude gelesen….wie schön, daß Du Deine Individualität erkannt hast, Glaube, Natur und Musik Dir helfen…viele Menschen verstehen das überhaupt nicht.

          Es ist tut sehr gut zu wissen, auch andere – und besonders ein Mann – haben einen (Lebens-)Baum gefunden, umarmen ihn und vetrauen sich den Wesenheiten der Natur an.

          Ich wünsche Dir viele Momente mit der Leichtigkeit des Seins….es gelingt nicht immer, aber wenn, dann genieße es.

          Liebe Grüße
          Marion B.

          • 8. Februar 2016 at 13:16

            Liebe Marion,
            vielen lieben Dank für Deine begleitenden Worte.
            Ich habe mich sehr darüber gefreut und ich fühle mich verstanden, getragen und ernst genommen. -:D

  2. Emma
    19. Januar 2016 at 13:20

    Liebe Marion Lili :-),

    das ist ein wunderbarer Artikel, lieben Dank, dass Du uns an Deinen persönlichen Erfahrungen teilhaben lässt.

    Da musste ich jetzt gleich einen Kommentar schreiben :-), weil ich es toll finde, dass Du insbesondere die positiven Seiten dieses Persönlichkeitsmerkmals und seine Auswirkungen auf Dich und Dein Leben beschreibst, denn oft ist es umgekehrt 😉

    Ich persönlich empfinde es auch als so wertvoll, insbesondere in Bezug auf das Schreiben! Habe Deinen Blog kürzlich über den Artikel über Minimalismus entdeckt und bin sehr angetan, weil außerdem auch Minimalismus-Fan :-)

    Alles Gute erstmal für Dich und Grüße aus der Nähe von Hamburg,

    Emma

    • Marion Lili Wagner
      20. Januar 2016 at 7:15

      Danke, liebe Emma :-)
      Ja, Minimalismus ist super, wobei ich mittlerweile denke, dass alle anderen „maximalistisch“ leben. Wir sind die Normalen 😉
      Liebe Grüße aus Potsdam!

      • Marion B.
        5. Februar 2016 at 0:19

        Hallo Marion Lili,

        auch ich empfinde „Minimalismus“ als sehr angenehm und normal, fühle mich trotzdem und ich denke, gerade deshalb, reich beschenkt vom Leben…
        Ich komme bestens damit zurecht und habe jeden Tag ganz viel freu…..

        Liebe Grüße
        Marion B.

  3. 19. Januar 2016 at 13:32

    Liebe Marion Lili,

    ein schöner Text, der es für ich auf den Punkt bringt. Hochsensibilität ist ein Geschenk, mit dem jeder von uns lernen darf umzugehen. Und ja – langweilig wird es tatsächlich nicht. Ich gehe sogar noch ein Stück weiter und sage: Hochsensibilität ist eine Wahrnehmungsbegabung und eine Stärke. Ganz viel darüber geschrieben habe ich in meinem Buch „Zart im Nehmen“, dass im Februar im GABAL Verlag erscheint. Ich bin sehr gespannt und wünsche mir, dass viele hochsensible Menschen ihre Stärke entdecken – los geht’s :-)

    Herzliche Grüße
    Kathrin Sohst

    • Emma
      19. Januar 2016 at 16:43

      Liebe Kathrin,

      das klingt sehr gut, so sehe ich es auch und finde es so wichtig, dass ebendiese Seiten auch beleuchtet werden.

      Du bast mich neugierig gemacht und ich werde mir Dein Buch sicher mal ansehen :-)

      Liebe Grüße,
      Emma

    • Marion Lili Wagner
      20. Januar 2016 at 7:25

      Liebe Kathrin,

      danke für deinen Kommentar, es freut mich, dass dir der Artikel gefällt :-)
      Ich glaube, es ist eben wie so oft eine Frage der Sichtweise. Wenn man sich als Hochsensibler nicht mehr gegen den Leidensdruck wehrt, sonder ihn als Wegweiser erkennt, wird sie zu einer Stärke.
      Liebe Grüße!

  4. 20. Januar 2016 at 8:27

    DANKE :-)

  5. 20. Januar 2016 at 16:44

    Danke für diesen tollen Artikel. Du sprichst mir aus der Seele.
    Auch ich habe mich als Kind immer „anders“ gefühlt und wollte so sein wie die anderen.
    Musste mir anhören, zu sensibel, zu feinfühlig etc. zu sein.
    Ich habe mühsam lernen müssen, dass Hochsensibilität auch eine Stärke sein kann.
    Wie bei allem anderen auch, gibt es auch hier zwei Seiten. Man wende sich der positiven zu.

    • Marion Lili Wagner
      21. Januar 2016 at 12:55

      Liebe Gina,

      danke :-) Ich hoffe sehr, dass die hochsensiblen Kinder jetzt und in Zukunft auf mehr Verständnis und Ermunterung treffen.

  6. Corina Haug
    21. Januar 2016 at 17:05

    Hallo Marion,
    war ein sehr interessanter Artikel von dir!!! Auch ich gehöre zu diesen besonderen „Sensibelchen“ :-)… Es ist sehr schön so zu sein! Ich hatte deswegen schon so manche schöne und bewegende Begebenheiten.. Doch mitunter ist es recht anstrengend und belastend… Belastend derzeit für mich, da ich mich vor 2 Monaten von meinem Freund getrennt habe, er ließ mir durch sein Verhalten mir gegenüber keine andere Wahl…
    Ich hab immer seinen alten Schmerz, die daraus entstandene Wut und Aggression in ihm gespürt und wahr genommen, doch war er nicht bereit, meine Unterstützung anzunehmen…
    Durch meine Sensibilität nehme ich noch täglich seinen Kummer, seine Hilflosigkeit, seine Trauer und seinen Schmerz durch die Trennung war… Oft weine ich noch seine Tränen…Ich spüre ganz genau, dass er seit der Trennung in einem Dreieck zwischen Depression, Wut und starkem Alkoholkonsum umherirrt… Und in sich und auch in seinem Umfeld immer noch mehr kaputt macht…
    Ich leide immer wieder sein Leiden mit… und das ist ganz schön hart und schwer für mich, denn so werde auch ich immer wieder zurück geworfen…

    Herzliche Grüße, Corina

    • Britta
      22. Januar 2016 at 21:35

      Hallo Corina, genau das gleiche Problem habe ich auch, ich empfinde seelischen Schmerz und Kummer der Menschen um mich herum so stark, dass ich selbst fast körperlichen Schmerz spüre – deshalb und auch durch häufige Überreizung durch Geräusche, Gerüche, Klänge, rhythmisch wiederkehrende Töne etc. ist für mich die Hochsensibilität eher ein Fluch als eine Bereicherung… Bin oft überfordert mit der Intensität der eigenen Gefühle. Wenn ich wählen könnte, würde ich lieber zu den übrigen 80 bis 85% der Bevölkerung gehören, dann wär Vieles einfacher 😉

  7. Marion
    23. Januar 2016 at 0:13

    Hallo Marion,

    Ich danke Dir für Deinem Bericht vom 19.01.2016, den ich „zufällig“ fand.

    Auch ich hatte als schon als Kind das Gefühl, für andere nicht „echt“ zu sein.
    Mein Lebens- und Leidensweg hat mir jedoch gezeigt, daß ich nicht wie die meisten Menschen sein kann und will.

    Ich habe -wie Du – gelernt, meine Hochsensibilität als Geschenk anzunehmen, bin durch Reiki, Kreativität und tiefer Verbundenheit mit der Natur zu meiner Mitte gelangt und
    führe inzwischen ein zufriedenes Leben im Einklang mit mir selbst.

    Liebe Grüße
    Marion

  8. Lili Bandt
    23. Januar 2016 at 8:23

    Liebe Namensschwester,
    was du schreibst, berührt mich sehr und es freut mich immer noch unglaublich, auf Menschen zu treffen, denen es ähnlich geht. Ich weiß erst seit einem halben Jahr von meinen Gaben und kann mich seitdem besser „leiden“ und vor allem verstehen. Verstehen, dass ich geduldig sein soll mit mir und nachsichtig und es in Ordnung finden kann, nicht so zu „funktionieren“, wie andere Menschen und mich dafür nicht mehr schlecht fühlen zu müssen. Lieben Dank für den wundervollen Text, mein Tag beginnt gut!
    Beste Grüße von Lili.

  9. Schulze
    23. Januar 2016 at 8:47

    Hallo Marion. Das ist so schön geschrieben und ich kann es alles gut nachvollziehen…..Für mich muss ich leider sagen, ist es kein Geschenk, hochsensibel zu sein. Ich habe erst vor einer Woche vorwurfsvoll hören müssen, ich bin sooo anders, so sensibel, hinterfrage zu viel, denke zu viel, will immer zu perfekt sein und genauso würde ich Kind und Enkelkind erziehen. Für mich war das ein Schock, das zu hören, gesagt zu bekommen, ich gehöre nicht so richtig dazu, weil ich soooo bin. Ist das denn für mich ein Geschenk ? Ich weiss es nicht. Ich bin grad überhaupt nicht in meiner Mitte. Ich fühle mich wie am Abgrund auf wackligem Fels zu stehen.

    • 23. Januar 2016 at 19:48

      Hallo Schulze,

      das kann ich gut nachvollziehen.Nicht selten hab ich auch das Gefühl, nicht dazu zu gehören, andetrs zu sein als die anderen.Das Gedankenkarrusell dreht sich fortwährend. Aber als ich damit begann, diese Andersartigkeit bei mir selber aktiv zu beobachten, erlebte ich allein dadurch schon eine Veränderung zum Positiven hin…

      Gruß Gregor

    • Almut Emma
      23. Januar 2016 at 23:50

      Hallo Schulze,

      so ähnlich erlebe ich manches auch: Ablehnung in der Familie oder auch schon von Kollegen.
      Das schmerzt sehr.
      Ich weiß es erst seit einem 3/4 Jahr und Puzzleteilchen in meinem Leben ergeben Sinn.
      Immer wieder mal kommen Erinnerungen und Bilder, die sich zusammenfügen.
      Allerdings habe ich auch erfahren, wenn Empfindungen von Leid oder Gewalt traumatisch waren, dann ist das Abgrenzen sehr schwer. Besonders auch dann, wenn es als Kind nicht gelernt wurde, weil Anpassung und Gehorsam eine sehr hohe Priorität hatten.

  10. 23. Januar 2016 at 9:51

    Da ich vor fast 3 Jahren mich selbst als begann als HSP zu begreifen, lese ich auch viel über entsprechende Veröffentlichungen. Inzwischen nicht mehr, um mich besser zu verstehen, sondern eher um in Kontakt mit „unserem Netzwerk“ zu sein und auch Neuigkeiten zu erfahren.
    Dein Text sticht für mich persönlich mal wieder besonders heraus, weil ich mich in jedem Satz selbst erkenne – auch und besonders mit dem Lichtvollen, das ich spüre.
    Einzige Ausnahme (weil mir das noch nicht so gelingt, wie ich es mir wünsche) und deshalb für mich für heute quasi ein wunderbarer „Tagessatz“, ist diese Ausführung, dieses Bild von Dir:
    „Ich fühle mich trotz dieser zwei Gegenpole ständig in meiner Mitte, nicht weil ich in meiner Mitte bleibe, sondern weil der Wechsel zwischen Reizen und Rückzug wie eine Pendelbewegung ist, die über der Mitte schwingt.“
    Danke Dir also für das nach Außen gehen!
    Ich wünsche uns allen (nicht nur den HSP, sondern allen Menschen) dieses gute Pendeln zwischen den verschiedenen Lebensaspekten, die ja letzlich Zeichen für Lebendigkeit sind.
    Verbundene farbenfrohe Grüße
    Arwén

  11. Ingrid Kabardin
    23. Januar 2016 at 10:03

    Ich wusste schon immer. , dass ich anders bin.
    Verständnis gab es kaum.Da half immer nur Rückzug.
    Meiner Tochter und Enkelin geht es heute schon besser.
    Danke für alle Beiträge und Kommentare. LIEBE GRÜßE INGRID

  12. Bine
    23. Januar 2016 at 12:57

    Liebe Marion,

    vielen Dank für Deinen Artikel, mir geht es sehr ähnlich … bin sehr froh, wenn ich sowas lese. Fühle mich dann verbunden. <3

    Herzgrüße von Bine

  13. ßand
    23. Januar 2016 at 16:33

    Danke für diesen sehr schönen Text. Vieles davon erinnert mich an mich selbst und manches lässt mich ein wenig schmunzeln. Es gibt noch viel zu lernen, für jeden von uns. Es ermutigt mich, wenn ich lese, dass die innere Mitte kommt wenn man ihr nur Zeit gibt sich zu finden. Es ist denke ich wie ein Pendel, das auch erstmal in die Ruheposition finden muss. Es schlägt nach rechts und links und irgendwann findet es die Mitte. Außerdem ist Meditation ein wunderbares Geschenk näher an das Göttliche in uns vordringen zu können.

    Mit den liebsten Grüßen

    p.b.

  14. Verena Wustrow
    23. Januar 2016 at 17:46

    Ich weiß es seit 6 Jahren. Viele schmerzliche Erfahrungen kann ich neu und anders einordnen. Unbewußt hben mir meine Eltern den nötigen Platz gegeben, für sie war ich nicht „falsch“. Sie hätten mich aber gern noch mehr beschützt. Ich gehöre zu den Introvertierten und suche noch meine Mitte. Nach langem Weg habe ich akzeptiert, nicht mehr meinen Beruf ausüben zu können. Dabei bin ich erst fast 59. Nun kann ich aber das tun, was mir mehr entspricht und meine Stärken ausleben.
    Danke für den aufbauenden Text und die verschiedenen Kommentare!
    Herzlich Grüße
    Verena

    • Almut Emma
      23. Januar 2016 at 23:54

      Hallo Verena, gern würde ich mich mit Ihnen austauschen über diese Erfahrung, welche den Beruf betrifft. Ist das irgendwie machbar, falls Sie Interesse hätten? Freundliche Grüße, A.E.

  15. Almut Emma
    23. Januar 2016 at 23:57

    Danke für diesen Beitrag. Ich bin interessiert an einer Austausch-Gruppe HSP im Rhein-Neckar-Kreis. Ist da etwas bekannt? Freue mich über Hinweise. VG! A.E.

  16. Steffi
    24. Januar 2016 at 2:27

    Hallo,

    danke für deinen Bericht. Mir geht es ähnlich. Ich komme eher als introvertiert an, meide große Menschengruppen und ziehe mich eher zurück. Meine Mutter meinte mal ich hätte sogar authistische Züge. Aber ich knüpfe leicht Kontakte und dank dem Internet und meinem kreativen Hobby (das ich auch als Meditation empfinde) kenne ich sehr viele nette Menschen. Ich habe auch einige davon persönlich kennen gelernt. Ich spüre wem ich vertrauen kann und wem nicht. Auch spüre ich Ereignisse kurz bevor sie stattfinden, weiß schon vorher, wenn ein Gespräch mit einem Vorgesetzten unangenehm wird. Ich denke ich interpretiere unbewusst Schwingungen, die von anderen ausgehen.
    Ich bin „süchtig“ nach Ruhe, Harmonie und Freundlichkeit obwohl ich ein Biest werde, wenn jemand meinen Sicherheitsraum ungefragt übertritt oder mir eine Entscheidung aufzwingen will.
    Ich bin als Kind auch eher nicht aufgefallen, aber war sehr behütet. Ja, ich bekomme viel in meiner Umwelt mit, weil ich ständig beobachte und zuhöre.
    Ich verstehe dich sehr gut und kann es nachvollziehen.

    Viele Grüße
    Steffi

  17. Uli
    24. Januar 2016 at 6:02

    《Süchtig nach Ruhe Harmonie und Freundlichkeit》. Ich bin auch dieser Sucht verfallen.

  18. Gregor
    29. Januar 2016 at 13:13

    Hallo Steffi,
    du sprichst mir aus der Seele. …
    Danke für Deinen Beitrag :-)

  19. Julia Alice
    3. Februar 2016 at 12:01

    Vielen Dank für den tollen Artikel Marion Lili und auch für die nachfolgenden Kommentare, die ich alle mit großer Neugier las. Mir gibt es das Gefühl nicht alleine zu sein und ich finde mich an vielen Stellen wieder.
    Seit 1-2 Jahren weiss ich um meine Hochsensibilität. Ab dem Moment der Erkenntnis begann ich meine Vergangenheit besser zu verstehen, warum ich mich oft anders fühlte, Dinge vor allem im Zwischenmenschlichen anders und auch sensibler wahr nahm.
    Mittlerweile verstehe ich auch warum mir mein Beruf seit vielen Jahren so zu schaffen macht und ich erschöpft mit körperlichen Beschwerden Nachhause komme. Im Herbst brach dann alles zusammen und dank einer sehr guten Reha bin ich wieder auf die Beine gekommen.
    Ich Begriff durch die Reha, dass ich schon viele Jahre in meinem Arbeitsbereich durchhielt, obwohl er mir absolut nicht gut tut. Nun habe ich einen Antrag auf Umschulung gestellt, der mir momentan Erleichterung schafft. In der Reha sprach mich die „Achtsamkeit“ sehr an und ich hoffe mit ihr als kleinen Baustein in nächster Zeit meinem Wunsch nach mehr innerer Stabilität näher zu kommen.

    Liebe Grüße
    Julia Alice

  20. marionliliwagner
    4. Februar 2016 at 10:22

    Vielen Dank für Eure vielen lieben Kommentare! :-)

  21. Julia Alice
    11. Februar 2016 at 18:16

    Vielleicht hat der eine oder andere es mitbekommen. Zur Zeit läuft ein kostenloser Hochsensibilitätskongress online noch bis Sonntag. Er ist sehr zu empfehlen! Man kann sich immer noch dazu anmelden und ich bin letzte Woche nur per Zufall über die Seite „zart besaitet“ dazugestoßen. Die Organisatoren Lena und Casino interviewen viele Experten zu unterschiedlichen Themen. Hier die Seite, wer Interesse haben sollte.

    hochsensibilitätskongress2016.com

    Liebe Grüße Julia Alice

  22. Julia Alice
    12. Februar 2016 at 8:34

    Sorry, ich habe mich verschrieben. Die Organisatoren des Kongresses heißen :
    Lena und Camilo

  23. Hanna Richter
    7. März 2016 at 10:33

    Liebe Marion, gerade schnuppere ich in Deinem Blog, den mir eine Freundin empfohlen hat. Ich fühle mich mit der Vielzahl der Themen sehr verbunden, auch mit diesem der Hochsensibilität, vielen Dank dafür, dass Du Deine Gedanken mit uns teilst. Ich lese gerade ein schönes Buch aus dem GU-Verlag namens „Ich spüre was, was Du nicht spürst“ (toller Titel!) und kann es jedem empfehlen, der sich und seiner Sensibilität gern noch ein Stück näher kommen möchte oder eben noch gar nicht weiß, was Hochsensibilität bedeutet. Das Buch gibt außerdem viele Anregungen dazu, wie man lernen kann, zur Ruhe zu kommen, sich vor zu viel Außenreizen zu schützen etc. Auch ich begreife das intensive Fühlen mit allen Sinnen als Gabe, hat sie mir doch schon oft den Weg gewiesen oder mich schöne Momente besonders intensiv wahrnehmen lassen und doch leide ich immer wieder sehr unter der starken Wahrnehmung allen Leids, ob nah oder fern. In der Auseinandersetzung damit erscheint mir der Schlüssel zu einem freudvolleren Leben (!) darin, die eigenen Grenzen auf allen Ebenen zu erforschen. Ich teile die Ansicht, dass wir alle Eins sind, doch uns besonders als Individuum „vollständig“ und ganz fühlen müssen. Die Sicherheit und das Vertrauen zu uns selbst wieder zu erlangen ist meines Erachtens unabdingbar, um in Frieden und Freiheit mit allen Menschen leben und uns selbst ausleben zu können. Dabei sind physische Grenzen genauso relevant wie feinstoffliche und jetzt spreche ich nur für mich: Ich muss heraus finden, wo diese Grenzen sind und wie ich mich vor negativen Schwingungen anderer und auch vor mir selbst (z.B. Grübeleien) schützen kann. Das ist eine spannende Reise ins Innere meiner selbst und am meisten gefordert werde ich dabei von meiner Geduld und meinem Mitgefühl zu mir selbst. Alles Liebe und bis bald, Hanna

    • Marion Lili Wagner
      9. März 2016 at 19:09

      Liebe Hanna,

      ich finde die Aspekte, die du ansprichst allesamt interessant und absolut nachvollziehbar. Zu dem Thema Grenzen und Selbstschutz tendiere ich immer mehr dazu, die Dinge sein lassen zu können wie sie sind, also die ganze Bandbreite – auch an widersprüchlichen und negativen – Gefühlen einfach zuzulassen. Keinen Widerstand aufzubauen gegen das, was eh ist. Ich mache dann immer wieder die schöne Erfahrung, dass sich das meiste von selbst auflöst. Eckhart Tolle beschreibt das wunderbar in seinem Buch „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart“.

      Liebe Grüße
      Marion

      • Peter Kern
        29. Juni 2016 at 12:41

        Liebe Marion Lili Wagner,

        das Wort „hochsensibel“ hat bei mir diese Tage mein Verständnis über mich selbst ganz schön in Bewegung gebracht. Vielen Dank dafür!
        Auch das „sein lassen“ ist für mich der stimmigere Weg. Mir hilft aus einem unveröffentlichten Buch in schwierigen oder schmerzhaften Situationen immer wieder der Satz: „Der erste Schrit ist JA sagen, zu allem was ist.“
        Das Annehmen ist für mich ein Weg, der mich weiterführt. Das Ablehnen bindet meine Kräfte und Energien.

        Ganz herzliche Grüße!
        Peter

        • Marion Lili Wagner
          30. Juni 2016 at 7:35

          Lieber Peter, das sehe ich auch so. Zum Thema „Annehmen“ finde ich die Bücher von Eckhart Tolle großartig und kann sie nur empfehlen.
          Liebe Grüße, Marion

  24. 19. April 2016 at 10:30

    Vielen Dank für den schönen Artikel! Gerne möchte ich alle Interessierten auch zu dem Hochsensibilitätskongress und -Blog einladen.
    Der erfolgreiche Kongress: über 13.000 Teilnehmer fand im Februar statt. Der nächste folgt bald.

    http://hochsensibilitätskongress2016.com/

    Liebe Grüsse, Lena

  25. Angela
    6. Dezember 2016 at 20:44

    ich kann das auch sehr gut nach empfinden. Warum reagiert meine Umgebung ganz anders als ich es tue? Ich wollte so sein wie die anderen. Mein leben lang habe ich mich als anders empfunden,es wurde mir auch gesagt,es fiel auf, das machte mich noch trauriger.

    Bis heute fühle ich den schmerz, die Unruhe, die Angst meines gegenübers, zu gern würde ich es ansprechen, tue es dann doch nicht. Vielleicht möchte man es nicht, zu Intim.

    Heute bin ich sehr glücklich darüber,es hat aber Zeit benötigt.

    Grüsse

  26. 3. Juni 2017 at 12:17

    Ich danke dir für diesen wundervollen Bericht.

    Auch ich bin hochsensibel. Auch in meinem Sohn sehe ich schon viele Züge, die dem ähnlich sind, was ich empfinde, was es für uns als zwei Hochsensible nicht immer einfach macht.

    Ich gehöre zu den extrovertierten HSPlern, die allerdings auch Zeit für sich und Ruhe benötigen, um all das, was täglich auf einen einprasselt zu verarbeiten. Das musste ich erst lernen. Und gerade mit kleinem Kind ist es manchmal schwierig sich bei all dem, was tagtäglich ansteht, dennoch auch Zeit für sich selbst zu nehmen.

    Vielen Dank daher für deine 10 Tipps für Hochsensible Mütter…

    Herzliche Grüße

  27. 16. August 2017 at 8:43

    Vielen Dank für diesen Beitrag! Ich erlebe das sehr ähnlich und habe Jahrzehnte gebraucht, um zu erfahren, „was mit mir lebenslang nicht stimmte“ und warum ich nicht so „cool“ sein konnte, wie die Menschen um mich rum. Es war lange Zeit wie ein Fluch – heute kann ich es als Geschenk empfinden, aber je nach Lebensgeschichte, kann es einen auch sehr belasten. Schön, dass das Thema nun immer mehr öffentlich angesprochen wird, wie in so tollen Artikeln wie diesem!

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