„Ich will frei sein und leben.“

Kristina Wilms

Interview mit Kristina Wilms (29), Gründerin und Geschäftsführerin der Arya App, die Therapiepatienten eine Art Emotionstagebuch über das Smartphone ermöglicht, das unmittelbar an den Therapeuten versendet und ausgewertet werden kann. Kristina Wilms lebt selbst mit einer Depression und ich habe mit ihr über ihr Start Up und ihren Alltag mit dieser Erkrankung gesprochen.

Wie bist du auf die Idee gekommen, die Arya App zu gründen?

Ich selbst erhielt vor ein paar Jahren die Diagnose Depression. Nach einem stationären Aufenthalt folgte dann eine ambulante Verhaltenstherapie. Das zentrale Element der Therapie besteht darin, sich selbst und seine Verhaltensmuster besser kennenzulernen, um einerseits besser mit unangenehmen Emotionen umgehen zu können und andererseits um zum Beispiel Frühwarnzeichen zu erkennen und zeitnah „das Ruder rumzureißen“.

Dazu bekommt man vom Therapeuten Fragebögen, die man im besten Fall mehrmals täglich ausfüllt. Darin wird gefragt: Wie geht dir? Gibt es eine auslösende Situation? Wie fühlt sich dein Körper an? Was denkst du?

Ich habe schon gemerkt, dass das alles Sinn macht, aber das Vorgehen war unglaublich umständlich und mir selbst in der Öffentlichkeit unangenehm. Und ich dachte mir leicht naiv: Das muss doch auch einfacher gehen. Mit ´ner App zum Beispiel!

Wie lange lebst du schon mit einer Depression? Wie fing das an?

Rückblickend muss ich sagen, dass ich bereits mit 13 Jahren die ersten Anzeichen vorzuweisen hatte, damals war mir und auch meinem Umfeld nicht klar, dass es sich um eine Erkrankung handelt. Man schlägt sich halt so durch und die meiste Zeit war mein Gedanke: Du bist halt einfach nicht so gut wie die anderen. Du musst dich einfach etwas mehr anstrengen, damit du glücklich bist.

2012 bin ich dann zusammengebrochen. Ich wollte nicht mehr leben und hatte das Glück, dass ich sofort in eine Klinik gehen konnte.

Wie sieht dein Alltag aus? Was ist schön? Und womit kämpfst du?

Ich empfinde meinen Alltag als relativ normal. Aber was heißt das schon? Ich achte sehr stark darauf, mein Leben so zu gestalten, dass die Depression keinen Grund hat, mich lahm zu legen. Das bedeutet konkret, dass ich zum Beispiel jeden Tag Sport treibe (Joggen am Morgen) und mindestens zweimal in der Woche zum Yoga gehe.

Außerdem esse ich sehr ausgewogen und regelmäßig. Mir ist aufgefallen, dass mir ein Rhythmus oder Rituale gut tun. Da ich sehr empfindlich bin, was Reize von außen angeht, versuche ich jeden Tag Möglichkeiten zum „Ausruhen“ einzubauen – nach zwei Meetings am Stück kann ich einfach nicht mehr sonderlich produktiv sein.

Ich bin sehr sehr dankbar für meine Freunde. Ich weiß gar nicht wie ich das in Worte fassen soll. Manchmal muss ich fast weinen vor Glück, weil ich so froh bin, dass ich solch tolle Menschen um mich habe.

Ich kämpfe mit den kleinen Fallstricken: Ich stolpere häufig über mein nicht ganz so gutes Selbstwertgefühl – ich habe meist das Gefühl, dass ich mich anstrengen muss, um in Ordnung zu sein. Veränderungen machen mir zum Beispiel auch zu schaffen, sie machen mir Angst. Mir fehlt manchmal einfach dieses Grundvertrauen.

Was wünscht du dir für die Zukunft?

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass ich, trotz aller Schwierigkeiten, niemals aufhöre zu träumen. Viele Ärzte sagen mir: „Frau Wilms, Ihnen würde ein normaler Job gut tun, weniger Aufregung“, aber ich will meine Entscheidungen nicht auf Grundlage einer Erkrankung treffen. Ich will frei sein und leben.

Vielen Dank für deine Antworten, liebe Kristina!

1 comment for “„Ich will frei sein und leben.“

  1. Ralf Fröbel
    29. Februar 2016 at 21:44

    Hallo Christina, ich fühle mit dir weil ich weiß wie es ist so machtlos und lustlos zu sein. Ich konnte auch nicht mehr dachte auch an selbstmord und ich konnte nix alleine machen und rausgehen!!! Ich gebe dir einen guten Rat , gehe raus auch wenn es schwer ist mache Sport auch wenn du es nicht brauchst oder keine Lust hast!!! Du schaffst es und du wirst immer mal wieder bekommen wirst . Ich würde dich am liebsten mal treffen und dir meine Erlebnisse schildern!!! Da du auch durch Deutschland tourst vielleicht kommst du mal nach Dresden und ich würde dich auch gerne mal einladen und dir meine schöne Stadt Dresden zeigen gib nicht auf und ich drück dich lg. Ralf Fröbel

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