Im Fluss des Lebens

Wenn ich wählen dürfte, wie alt ich werde, würde ich mich für 84 Jahre entscheiden. Das ist ein Alter, bei dem es gut möglich ist, es geistig und körperlich gesund zu erreichen und die 84 ist für mich eine warme Zahl. Meine Tochter wäre dann 54 und somit schon ein paar Jahre volljährig und ich glaube, ich könnte dann allmählich loslassen …

Wieso denke ich über so etwas überhaupt nach? Keine Ahnung :-)

Bereits als Kind habe ich die Endlichkeit des Lebens stark empfunden, ich fand das einfach normal und dachte, dass jeder diese Empfindung in sich trägt. Erst später habe ich realisiert, dass das nicht so ist und dass ich die Menschen irritiere, wenn ich als junger gesunder Mensch von „solchen“ Themen spreche.

Dabei empfinde ich dieses stetige Spüren der Endlichkeit als ein Riesengeschenk. Ich schiebe selten etwas auf, das mir wichtig ist. Es gelingt mir meist schnell, die Dinge aus einem Abstand zu betrachten und die vielen lustig-komischen Momente unseres Menschseins zu erkennen. Und ich genieße das Leben einfach stärker, so wie man alles stärker schätzt und genießt, das nur begrenzt vorhanden ist.

Wenn ich 84 Jahre alt werde, dann sterbe ich im Jahr 2062. Wow! Was mache ich mit all der Zeit? Meine Familienplanung ist abgeschlossen, ich strebe keinen größeren Besitz an … Der einzige konkrete Plan, den ich habe, ist, irgendwann die Welt zu bereisen.

Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nie aufhören will, zu arbeiten. Ich will nie aufhören zu schreiben, Ideen zu verwirklichen, einfach Dinge zu tun.

Viel mehr weiß ich noch nicht über meine (hoffentlich) verbleibenden 46 Lebensjahre. Die Welt wird sich verändern und ich werde mich verändern. So vieles, was heute selbstverständlicher Teil meines Lebens ist, existierte vor 10-20 Jahren schlicht nicht. Deswegen kann ich alles nur auf mich zukommen lassen.

Eins habe ich aber erkannt: Das Glück wartet nicht hinter der nächsten Wegbiegung, wie wir immer unbewusst annehmen. In dieser abstrakten Zukunft, die nicht mehr als ein Konstrukt der Gegenwart ist. Wenn, dann kann es nur in der Gegenwart enthalten sein, auch wenn man manchmal ein wenig wühlen muss, um es zu finden. Oder wie Jane Austen sagte: „Nur weil uns ein Stück vom Glück fehlt, sollten wir uns nicht davon abhalten lassen, alles andere zu genießen.“

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein tolles und glückliches und gegenwärtiges Jahr 2016!

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