Neue Ufer – Veränderungen annehmen und bewältigen

UferEigentlich mag ich ja Veränderungen, vor allem, wenn ich sie selbst anstoße. Manchmal kommen sie aber auch einfach so „über uns“, treten ein, ohne vorher auch nur anzuklopfen. So ging es bei mir vor einer ganzen Weile los.

Nach dem ersten Erkennen, Realisieren und Akzeptieren, dass mein Leben, so wie es war, nicht mehr zu mir passte, kam eine lange Phase der „Uferlosigkeit“, in der ich nicht mehr im Alten, aber auch noch nicht im Neuen war. Das war die schwierigste Phase. Und jetzt, langsam und vorsichtig, tritt das Neue immer mehr ein und fühlt sich richtig gut an.

Ich habe mal aufgeschrieben, was mir bislang geholfen hat, diesen Weg – der noch nicht zu Ende ist – zu gehen. Es geht in meinen Tipps nicht darum, das Kind mit dem Bade auszuschütten, oftmals ist es auch nur ein Lebensbereich, der vielleicht nicht mehr stimmig ist oder die Lebensqualität beeinträchtigt.

Platz machen für das Neue

Das Neue kann sich noch gar nicht zeigen, wenn das Alte das Leben komplett ausmacht. Es ist schwer und kostet Mut, aber ich denke, dass man tatsächlich erst das Alte, zumindest ein Stück weit, loslassen muss, damit Platz für das Neue entstehen kann.

Angst vor Fehlern loslassen

Das Alte ist vertraut, man ist da schon lange hineingewachsen. Man kennt es gut, man kann es gut und man kennt sich selbst darin. In dem Neuen ist man wieder Anfänger …

Ich glaube aber, dass ein Leben nur dann lebendig und echt sein kann, wenn man den Mut hat, immer wieder Anfänger zu sein. Egal wie alt man ist und egal wie professionell man in manch anderem Bereich ist: An irgendeiner Stelle werden wir immer wieder Anfänger sein und uns Schritt für Schritt herantasten.

Henry Ford soll gesagt haben: „Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“ :-)

Den Mut haben, radikal neu zu denken

Wenn sich das Leben oder ein bestimmter Lebensbereich absolut unstimmig anfühlt, dann hilft mir folgender Trick: Ich setze gedanklich alles auf null. Da ist noch nichts, keine Entscheidungen wurden getroffen, nichts festgelegt.

Wofür würde ich mich aus dieser absoluten Beginner-Perspektive entscheiden? Für das Bestehende? Für eine andere Version davon? Oder für etwas ganz anderes?

Probiere das mal aus. Das bringt sehr viel Klarheit.

Das Selbstbild lockern

Wir haben ein Bild von uns: Wir sind so und so, wir können dies und jenes, wir mögen am liebsten … usw.

Zu großen Lebensveränderungen gehört auch, dieses Selbstbild auf den Prüfstand zu stellen. Das fühlt sich weniger bedrohlich an, wenn man sich nicht absolut damit identifiziert, sondern erkennt, dass es nicht fest ist, sondern auch immer an äußere Umstände geknüpft.

Das eigene Selbstbild zu verändern oder weiterzuentwickeln, kann eine wundervolle Chance sein, Dinge zu erleben, die durch den bisherigen Horizont nicht möglich schienen. So als ob man neue Räume in der eigenen Wohnung entdeckt, die immer schon da waren, man konnte sie nur nicht sehen, weil man überzeugt war, die eigene Wohnung vollständig zu kennen.

Hier hilft auch ein gewisser Rückzug: Wenn man sich selbst neu finden oder erfinden will, muss man sich den vertrauten äußeren Einflüssen, die einen immer wieder in die alte Rolle weisen, ein Stück weit entziehen. Erst wenn man sich in sich, in seinem neuen Selbst, allmählich sicherer fühlt, kann man vorsichtig wieder auftauchen und die äußeren Umstände und das Umfeld daran angleichen.

Ruhe suchen und zulassen

Mein Wunsch nach Ruhe war in dieser Zeit sehr ausgeprägt. Manchmal dachte ich, jetzt zieht das Leben da draußen völlig an mir vorbei, aber mein Rückzugsbedürfnis war einfach zu stark. Im Rückblick verstehe ich, dass mich diese inneren Prozesse so eingenommen haben, dass überhaupt kein Platz mehr für äußere Einflüsse war.

Außerdem sind die meisten Lösungen und Antworten in der Ruhe zu mir gekommen. Ich habe mir manchmal über ein Thema den Kopf zerbrochen und es irgendwann frustriert losgelassen, weil ich nicht weiterkam. Und sobald ich es losließ und jeden Druck rausnahm, fand sich der nächste Schritt wie von selbst.

Was die Leute denken

Mir ist es nicht gleichgültig, was die Leute denken. Ich bin ein soziales Wesen und mag Harmonie. Aber: Es ist mir viel wichtiger, was ich selbst denken werde, wenn ich alt bin und auf mein Leben zurückblicke.

Oftmals denken die anderen auch gar nicht so viel, wie wir denken, dass sie denken :-). Die bremsenden Stimmen im Kopf sind oft lauter als die außen. Meine Erfahrung ist auch, dass man viel Offenheit und Ermunterung findet, wenn man selbst offen ist.

Wir haben nur dieses eine Leben und ich denke, dass jeder es so leben sollte, wie es ihm entspricht.

Eine Reise

Das Leben ist immer eine Reise und es gibt Lebensphasen, in denen wir das viel stärker spüren als sonst. Aber wie heißt es so schön: Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen :-).

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