Über Veränderungen

Ein Thema, das mich zur Zeit sehr beschäftigt, sind Veränderungen.
Ich glaube, ich hatte vor vielen, vielen Jahren mal die Vorstellung, dass man irgendwann „ankommt“, in einem bestimmten Leben, in bestimmten äußeren Umständen. Auch in sich selbst. Und dass das dann jahrzehntelang, mit Aufs und Abs, in etwa so bleibt. Das war nicht unbedingt mein Wunsch, ich dachte einfach nur, dass es eben so ist, dass das der Verlauf des Lebens ist.

Nach etwa zwanzig Erwachsenenjahren stelle ich nun fest, dass es nicht so ist. Dass die Veränderungen nie aufhören.

In manchen Lebensphasen sind sie nur ein leiser, aber hartnäckiger Wind, den man kaum beachtet, weil es sehr lange dauert, bis er etwas umweht. Und dann wieder wie ein starker Sturm, der alles durcheinanderwirbelt: Die äußeren Umstände, unsere Überzeugungen, unser Selbstbild.

Seit einer Weile schon fegt so ein Sturm durch mein Leben, vor allem durch mein Innenleben. Das Alte gilt nicht mehr, das Neue noch nicht. Das Schöne ist aber, dass ich gelernt habe, diesem Veränderungsprozess zu vertrauen, weil er mir für alles, was er mir nimmt, für alles, was ich loslasse, etwas Neues gibt. Etwas, das mir viel mehr entspricht. Dennoch: Es ist nie einfach, ein altes Ufer loszulassen, ohne das neue zu kennen.

Und ich frage mich: Ist die Veränderung selbst der Normalzustand im Leben? Vielleicht passt der Begriff Wandel noch besser, weil Veränderung nach etwas klingt, das einen Anfang und ein Ende hat. Und wie können wir dennoch Ruhe und Beständigkeit finden?

Eine Antwort darauf suche ich noch. Ich denke in zwei Richtungen. Zum einen glaube ich, dass es hilfreich ist, den stetigen Wandel einfach zu akzeptieren. Zu akzeptieren, dass alles nur auf Zeit ist und dem Wandel unterworfen ist.

Zum anderen kann ich mir vorstellen, dass jeder Einzelne für sich Oasen der Ruhe und Beständigkeit schaffen kann. Hobbys, Rituale, was auch immer. Für mich ist es das bewusste Alleinesein, darin finde ich immer Frieden und Ruhe.

Es gibt ein Zitat zum Thema Veränderungen, das ich sehr mag, und zwar von dem amerikanischen Dichter Walt Whitman: „Der Veränderung die Tür verschließen, hieße das Leben selber aussperren.“

Wie ist das bei euch? Mögt ihr Veränderungen? Wie geht ihr damit um?

2 comments for “Über Veränderungen

  1. Kea
    15. Februar 2016 at 6:39

    Das „weise Zitat“, das ich beim Ausfüllen meines Portraits fürs Abi-Heft aussuchte, war von Heraklit von Ephesus: Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung. Mein Lebenswind hat öfter mal ziemlich rau um die Ecke gepustet und ich hab mich schon früh daran gewöhnen müssen, dass die Dinge sich jeden Moment verändern können und man wieder neu beginnen muss. Früher war das für mich oft beängstigend und ist es auch manchmal jetzt noch, aber ich sehe jetzt darin auch eine Chance – das Leben ist im Idealfall lang und wir wachsen mit ihm mit. Durch die Möglichkeit, sich zu verändern, können wir uns neue Umstände basteln, wenn wir merken, dass wir in den alten an unsere Grenzen stoßen. Das ist ein großes Privileg, das nicht allen Menschen vergönnt ist. Deshalb kann ich Veränderungen heutzutage liebevoller ansehen – vielleicht auch, weil ich über die Jahre bemerkt habe, dass ich noch immer da bin, dass mein Wesenskern mich wie eine ruhende Mitte in all dem Trubel hindurchbegleitet. Liebe Grüße! Kea

    • marionliliwagner
      15. Februar 2016 at 8:27

      Liebe Kea, das ist auch ein sehr schöner Aspekt, dass es nämlich auch ein Privileg ist, sich verändern zu dürfen. Es ist toll, dass wir die Freiheit haben, der inneren Entwicklung auch mit äußeren Veränderungen folgen zu können.

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