Vom falschen Ego zurück zum wahren Selbst

Irgendwann, im Laufe des Erwachsenwerdens haben wir begonnen uns auch von Außen zu betrachten, uns mit „den Augen der anderen“ zu sehen, und es hat sich nach und nach ein Selbstbild entwickelt. Wir begannen, uns Adjektive zuzuschreiben, wie zum Beispiel intelligent, unordentlich, humorvoll … und uns damit zu identifizieren.

Und mit jedem weiteren Adjektiv und vor allem der Identifikation damit, baute sich Ego-Schicht um Ego-Schicht um uns herum auf. Und irgendwann, unmerklich, haben wir begonnen, uns für diese Ansammlung von Ego-Schichten zu halten. Und damit das Gefühl, ein getrenntes Einzelwesen in dieser Welt zu sein, gefestigt. Denn jede Ego-Schicht enthält eine Wertung und trennt uns von den anderen: Ich bin so und du bist so.

Wir haben aber bereits existiert, bevor wir ein Selbstbild hatten. Wir waren einfach nur. Wir haben weder uns noch andere bewertet, sondern waren einfach ein Tropfen im gesamten Meer des Seins. Als der Tropfen dann ein Ego entwickelte, begann er, sich als getrennter Tropfen unter lauter anderen getrennten Tropfen zu sehen.

Aber solange wir uns mit dem Ego identifizieren und es für unser Ich halten, können wir nicht dauerhaft zufrieden sein. Denn im Ego sind wir im Exil, fern unserer Mitte und unseres wahren Selbst.

Das Ego empfindet immer einen Mangel und vermutet hinter der nächsten Wegbiegung die Erlösung. Und selbst wenn es diese kurzzeitig findet, machen sich bald neue Mangelgefühle bemerkbar, die das Ego in seiner ewigen Suche und Unruhe gefangenhalten.

Wie kann die Umkehr gelingen? Wie findest du zurück zu deinem wahren Selbst?

In  sogenannten erfolgreichen Lebensphasen ist es sehr schwierig, denn in diesen Phasen fühlt sich das Ego stark und bestätigt und die Identifikation damit ist besonders groß. Es braucht eine Lücke, einen Zweifel, eine Unzufriedenheit. Es sind oftmals Phasen des (empfundenen) Scheiterns oder einer tiefen inneren Unzufriedenheit und Leere, in denen die Offenheit dafür entsteht, dass du vielleicht gar nicht dieses Ego bist, für das du dich Jahre und Jahrzehnte gehalten hast.

Das zu erkennen oder alleine schon für möglich zu halten, ist der erste Schritt. Und ein sehr wichtiger Schritt. Denn damit bröckelt zum ersten Mal die Identifikation damit.

Es ist kein Prozess, der von heute auf morgen geschehen kann, denn das falsche Ego steckt in vielen inneren und äußeren Verstrickungen fest, die nach und nach erkannt und gelöst werden müssen. Der Weg ist nicht einfach, ich bin ihn gegangen und gehe ihn immer noch. Aber wenn die Wahrheit, unser wahres Selbst wieder zaghaft durchschimmert, und mit ihm ein wundervolles Gefühl von Einheit und Frieden, wissen wir, dass wir darin zuhause sind und immer waren.

Wir erkennen (wieder), dass wir ein Tropfen im Meer sind, mit allem verbunden und eins. Und ohne die Angestrengtheit des künstlichen Egos, fließt das Leben viel einfacher. Das, was zu uns gehört und uns ergänzt und erfüllt, fließt uns wie von selbst zu (weil kein falscher Ego-Türsteher mehr da ist). Und die Freude stellt sich als ganz natürliches Grundgefühl ein, das nicht mehr vom Erreichen irgendwelcher Ziele abhängt.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *