Von kreativen Menschen und Mäusen

GeldbaumWenn sich jemand entschließt, seine Kreativität zu seinem Beruf zu machen, also damit Geld zu verdienen und sie nicht nur als Hobby in seiner Freizeit auszuleben, stellt sich die Frage nach dem Selbstwert im wahrsten Sinne des Wortes.

Kreativ zu arbeiten ist keine Tätigkeit, von der man sich innerlich abgrenzen kann, im Gegenteil – sie IST Ausdruck des Inneren und somit auch immer sehr persönlich.

Der immaterielle Wert des Geldes

Viele die ich kenne, die künstlerisch-kreativ arbeiten, tun sich schwer damit, den Wert ihrer Tätigkeit in den vermeintlich rein materiellen Wert Geld zu übersetzen. Ich selbst habe das Thema Geld lange links liegen gelassen, nach dem Motto „Hauptsache glücklich“. Erst als ich begonnen habe, Geld als Unterstützung für das zu sehen, das mir wichtig ist, nämlich Freiheit und Möglichkeiten, wurde mir bewusst, dass die Schnittstelle zwischen Geld und Glück nicht so klein ist wie gedacht.

Geld hat nicht nur einen materiellen Wert – Miete bezahlen, Dinge kaufen usw. – sondern ebenso einen hohen immateriellen Wert. Es ermöglicht uns Erlebnisse, Erfahrungen und damit auch eine weitere berufliche und persönliche Entwicklung.

Geld ist neutral

Geld hat keine Gefühle und keine Attribute. Alle Emotionen, die wir dazu haben, sind unsere eigenen Glaubenssätze, die aus Prägung und Erziehung entstanden sind. „Geld macht nicht glücklich“ oder „Geld verdirbt den Charakter“ sind nur zwei Beispiele für negative Glaubenssätze, die es erschweren, das Geld auch von Herzen zu wollen.

Geld ist nur (wertloses) Papier, das wir als Tauschmittel in unserer Welt verwenden, weil sie zu groß und komplex ist, um Produkte und Leistungen untereinander zu tauschen. Vor tausenden von Jahren verwendeten die Menschen Muscheln oder besonders schöne Steine als Tauschmittel. Das, was also in unseren Portemonnaies ist oder als Zahl auf unserem Bankkonto, sind einfach die modernen Muscheln.

Be- und Entlohung

Die kreative Arbeit selbst ist oftmals schon Belohnung, weil sie Freude macht, weil man sich in ihr lebendig fühlt und mit ihr identifiziert. Aber gerade deswegen sollte man sie finanziell besonders hoch schätzen – weil man dadurch auch besonders gut ist in dem, was man tut.

Professionalität

Professionell aufzutreten bedeutet nicht, sich verstellen zu müssen. Professionell zu sein, bedeutet schlicht zu können, was man tut. Gerade kreative Menschen brauchen eine authentische und unaufgesetzte Kommunikation mit potentiellen Kunden oder Auftraggebern.

Ich finde es immer sehr schön, mit den Menschen, mit denen ich beruflich zu tun habe, auch eine persönliche Ebene zu finden. Da ich innerlich keine Trennlinie zwischen meiner beruflichen und privaten Person ziehe, kann ich auch im Außen keine ziehen. Umgekehrt geht´s auch: Wenn ich jemanden privat kennenlerne und sehr mag, kann ich mir auch immer vorstellen, beruflich etwas zusammen zu machen.

Mut

Mut klingt so heroisch und nach großen Taten, aber es ist oft etwas sehr viel Kleineres, das den größten Mut erfordert: Uns zu zeigen.

Vor der Premiere meines Verlages vor vier Jahren war ich sehr aufgeregt und auch das Fläschchen Bachblüten, das ich fast auf Ex getrunken hatte, half nicht weiter. Es kostete mich viel Überwindung, mich vor die zahlreichen Gäste zu stellen und zu erzählen, was ich da mache. Aber zu meiner eigenen Überraschung fiel die Anspannung schon nach den ersten Sätzen von mir ab. Es war genau meins, was ich da tat und wer sollte es besser zeigen als ich selbst?

Die innere Haltung

Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem, was wir über uns selbst denken und dem, was uns von außen begegnet. Ein Maler, der annimmt, dass es ihm nicht gelingen wird, seine Bilder zu verkaufen, wird sie höchstwahrscheinlich auch nicht verkaufen.

Wenn ein Kreativer seine Arbeit mit Liebe und Wertschätzung sieht und der Meinung ist, dass sie es absolut wert ist, dass andere Menschen dafür bezahlen, dann füllt sich seine Badewanne zwar nicht von selbst mit Golddukaten, aber es ist eine wichtige und notwendige Haltung, um dem Geld verdienen näherzukommen.

Effectuation oder: Einfach machen

Vor meinen Coachings und Workshops bei den Kultur- und Kreativpiloten dachte ich, ich sei die einzige Selbständige ohne Businessplan oder konkretes Zweijahresziel. Mein Bauchgefühl war immer mein einziger Kompass und ich vertraue und folge ihm. Und dennoch hatte ich das diffuse Gefühl, es „nicht richtig“ zu machen.

Und dann saß ich plötzlich mit vielen anderen zusammen, die es wie ich machten. Und ich erfuhr, dass es sogar einen Begriff dafür gibt: Effectuation. Effectuation bedeutet, dass man nicht zielorientiert, sondern einfach mit den Mitteln und Möglichkeiten, die man hat, beginnt. Und dass man sich den Zufall zum Freund macht und offen ist für Anpassungen an neue Umstände und Möglichkeiten.

Kreativ zu arbeiten ist eine wunderbare Chance zur Selbstverwirklichung und ich wünsche allen Kreativen da draußen viel Erfolg!

1 comment for “Von kreativen Menschen und Mäusen

  1. Biggi
    25. Januar 2016 at 18:06

    Liebe Marion Lili,

    habe deine Seite zufällig bei Fb entdeckt. Was du schreibst, spricht mir aus der Seele. Ich habe auch erst vor gut 3 Jahren entdeckt, dass ich eine HSP bin, mir ist es genau so ergangen, wie du es beschreibst.
    Kreativ war ich auch schon immer, es war mir nur nicht möglich, so zu leben. Nun, nach eine Trennung, bin ich gezwungen, minimalistisch zu leben und vor wenigen Monaten bin icn richtig bei mir angekommen. Es geht mir so gut wie niemals zuvor! Ich lebe außerdem meine Kreativität, mein erstes Buch ist draußen! Ich bin ich, ich bin HSP, ich bin stolz darauf! Das Leben ist schön!
    Ich schließe mich deinen Wünschen an alle HSP und Kreativen an!
    Liebe Grüße
    Biggi

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