Weniger denken – mehr Leichtigkeit und Lebensfreude

Es war vor einem Jahr, ein warmer Samstagvormittag. Ich hatte mir gerade bei Dussmann in der Friedrichstraße ein Buch von Frank Kinslow gekauft. Ich spazierte zum Tiergarten, setzte mich auf eine Bank und begann zu lesen. Schon auf den ersten Seiten war von Gedankenlosigkeit die Rede. Gedankenlosigkeit? Es war mir bis dahin gar nicht bewusst, aber in meinem Kopf plapperte tatsächlich ständig eine Stimme. Reflektierte, ordnete ein, dachte nach und dachte vor.

In dem Buch gab es Tipps, wie man Lücken in diesem ständigen Gedankengeplapper finden kann. Unter anderem den, dass man sich fragen soll, was wohl der nächste Gedanke sein könnte, der auftaucht. Ich probierte das gleich aus und etwas Faszinierendes geschah: Ich stellte mir diese Frage und während ich auf den nächsten Gedanken wartete, entstand so etwas wie ein kurzer Leerraum in meinem Gedankenfluss und gleichzeitig stieg ein tiefes Wohlgefühl in mir auf. Eine Mischung aus Freude und innerem Frieden.

Die Gedanken ließen diesen Leerraum aber nicht lange zu und drängten sich wieder vor. Aber es gelang mir immer wieder für kurze Momente eine Gedankenlücke zu erzeugen und für kurze Momente dieses Wohlgefühl fließen zu lassen.

Ich saß an diesem Tag noch lange auf dieser Bank im Tiergarten und von außen sah es so aus, als ob ich einfach lese, aber für mich waren es magische Stunden, die die Tür zu einem ganz neuen Bewusstsein öffneten, das außerhalb meiner Gedanken liegt. Seit diesem Tag weiß ich, dass es eine höhere, weitere, tiefere, umfassendere Intelligenz in und um uns gibt, als das, was unser kleiner Verstand produziert.

Probiere es mal aus

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, in die Gedankenlosigkeit zu kommen, die oben beschriebene ist eine. Eine andere ist, dem Verstand den „Job“ zu geben, den Atem zu beobachten und ihn damit davon abzuhalten, weitere unnütze Gedanken zu produzieren.

Ein weiterer Weg, der durch Katie Byron Verbreitung fand, ist, den Gedanken keinen Glauben zu schenken. Die sollen ruhig vor sich hinplappern, wir beobachten sie gelassen und nehmen sie nicht ernst oder allzu wichtig.

Auch die Umgebung spielt eine Rolle. In der Natur ist es viel einfacher, diese Stille im Kopf zu finden, als in Berlin-Mitte, außer man sitzt im Tiergarten :-). Wenn du dich länger in der Natur aufhältst, kommt diese Stille eigentlich wie von selbst hinzu.

Was auch hilft, ist sich darauf zu konzentrieren, seine Hände zu spüren. Wie fühlen sie sich an? Sind sie warm? Was machen sie gerade?

Gedanken sind das Gegenteil der Gegenwärtigkeit. Sie ziehen uns von dort weg. Kauen die Vergangenheit immer wieder durch und grübeln über die Zukunft. Die absolute Gegenwärtigkeit gibt es nur ohne Gedanken. Also versuch gegenwärtig zu sein. Es ist normal, dass die Gedanken immer wieder kommen und dich wegziehen wollen. Das macht nichts. Geh einfach wieder zurück in den gegenwärtigen Moment.

Probiere aus, was für dich gut klappt. Lass dich nicht entmutigen, wenn es nicht einfach ist, es ist ja etwas ganz Neues, wie ein neuer Sinn, der entdeckt werden muss. Wichtig ist, die Gedankenlosigkeit herstellen zu wollen, aber es dennoch nicht zu krampfhaft zu wollen. Einfach gelassen bleiben und es immer wieder probieren.

Was bringt dir die Freiheit von Gedanken?

Viel. In allen Lebensbereichen. Angeblich denken wir 60.000 Gedanken am Tag. Nur ein winziger Bruchteil dieser Gedanken ist tatsächlich nützlich. Der Rest dieser Gedanken lenkt uns nur vom gegenwärtigen Moment ab, entwirft Szenarien, erzeugt Ängste, konstruiert Zusammenhänge … Unsere Gedanken sind nicht die Wirklichkeit, sondern nur ein sehr kleiner, sehr enger und höchst subjektiver Ausschnitt davon.

Entspannung – Du wirst viel schneller und einfacher in die Entspannung kommen, wenn du Abstand zu deinen Gedanken findest.

Konflikte lösen – Viele Konflikte entstehen aus Gedankenkonstrukten, die einzig dem Ego dienen. Wir halten unsere Gedanken für ein Abbild der Wirklichkeit. Wenn wir nun aufhören, unsere Gedanken allzu ernst zu nehmen, dann können keine Fronten mehr zu anderen entstehen, wir öffnen uns. Wir können natürlich dennoch eine Meinung zu einem Thema haben, aber in dem Bewusstsein, dass diese höchst subjektiv ist.

Ängste auflösen – Auch unsere Ängste haben nur solange Macht über uns, solange wir sie für ein Ausdruck von wirklicher Gefahr halten. Wenn du deine ängstlichen Gedanken von außen betrachten kannst, verlieren sie ihren Schrecken.

Lebendigkeit – Das Leben fühlt sich viel echter, viel unmittelbarer an, wenn man nicht erst alles durch den Gedankenfilter jagt. Überlegt. Bewertet. Einordnet. Sondern einfach nur ist. Und tut. Sich selbst sein lässt, wie man ist. Das ist pure Lebensfreude.

Wenn dich das Thema weiter interessiert, empfehle ich dir unbedingt das Buch „Jetzt“ von Eckhart Tolle. Eckhart Tolle hat als junger Mann an Ängsten und Depressionen gelitten, bis er über Nacht einen tiefen Bewusstseinswandel erfahren hat. Er konnte das Leben plötzlich mit ihm vorher unbekannter Freude und Leichtigkeit genießen, hatte aber keine Ahnung, was eigentlich geschehen war. Erst nach längerer Zeit und Gesprächen mit sehr bewussten Menschen, erkannte er, dass sich seine Gedanken in dieser Nacht vollständig aufgelöst hatten und einem viel weiteren Bewusstsein gewichen sind. Unser eigentliches Selbst, wie er sagt. Ein wundervolles Buch. Aber Vorsicht – es kann lebensverändernd sein :-)

 

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *