Wieso Langsamkeit das bessere Tempo ist

Seit einer Weile schon stelle ich fest, dass sich mein innerer Tacho stetig verlangsamt. Einerseits ist das Tempo im Außen schneller geworden, beispielsweise bei der digitalen Kommunikation. Wenn ich innerhalb von 24 Stunden nicht auf eine E-Mail geantwortet habe, dann nagt schon ein leises Unbehagen an mir, weil ich das Gefühl habe, damit eine ungeschriebene Regel zu verletzen: Du sollst so schnell sein, wie es das Medium eben ermöglicht. Nur – ich brauche mehr Zeit. Nicht immer, aber ich möchte mir Gedanken machen können, bevor ich antworte oder auch schlicht in der richtigen Stimmung zum Antworten sein.

Außerdem merke ich, dass ich in der Langsamkeit viel stärker mit mir selbst verbunden bin. Langsamkeit ist in gewisser Weise das Gegenteil von Zielorientiertheit. Langsamkeit ist der Weg und die Fähigkeit diesen Weg zu genießen. Genau dort zu sein, wo man gerade ist. Innerlich und äußerlich.

In der inneren Ruhe, die sich zwangsläufig einstellt, wenn man das Tempo rausnimmt, ist es auch viel einfacher, Antworten auf alles, was einen beschäftigt, zu finden. Die Gedanken sind keine umherrasenden Blitze mehr, sondern gleichen eher einem ruhigen gewundenen Fluss, dessen Richtung man viel bewusster steuern kann. Ich denke selbst anstatt gedacht zu werden.

Dass in einem hohen Tempo etwas schneller oder mehr davon zu erreichen ist, halte ich für eine Illusion. Es ist höchstens die innere Unruhe, die damit kurzzeitig befriedigt wird und die innere Unruhe entsteht wiederum aus dem hohen Tempo heraus.

Habt Ihr schon mal eine hektische Wiese gesehen? Oder einen ungeduldigen Baum? Die Natur ist das pure Sein, die absolute Gegenwärtigkeit. Wenn wir Zeit in der Natur verbringen, färbt diese Ruhe automatisch auf uns ab. Abgesehen davon, dass wir Menschen – bei allem Fortschritt – ein Teil dieser Natur sind. „Die Natur eilt nicht und dennoch wird alles erreicht“, sagte der chinesische Philosoph Laozi.

Kommt gut – und langsam – in die neue Woche! :-)

2 comments for “Wieso Langsamkeit das bessere Tempo ist

  1. Kea
    29. Februar 2016 at 11:38

    Ein wunderbarer Beitrag, der für mich exakt zur rechten Zeit kommt – Danke dir dafür! Die Analogie zur Natur ist so schön, denn dort gibt es unseren Optimierungs- und Beschleunigungswahn wirklich nicht und trotzdem funktioniert sie ganz wunderbar, seit so langer Zeit. Liebe und entspannte Grüße, Kea

  2. Marion Lili Wagner
    29. Februar 2016 at 14:57

    Das freut mich, liebe Kea. Ja, ich merke immer stärker, dass soviel Wahrheit in der Natur steckt, darüber freue ich mich, weil ich dann immer spüre, dass eigentlich alles ganz einfach ist :-) Entspannte Grüße zurück!

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